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Urlaub in Zinnowitz: auf erzgebirgisch

Autorenbild: liebes.erzgebirge
liebes.erzgebirge
2. Sept.
3 Min. Lesezeit

Manche Urlaubsgeschichten bleiben einfach hängen. Nicht, weil etwas Großes passiert ist, sondern weil ein kleiner Moment so herrlich komisch ist, dass man Jahre später noch darüber lachen kann. Kristin hat genau so einen Urlaubsmoment in erzgebirgischer Mundart festgehalten.


Kristin Liebscht
Kristin Liebscht

Ich war selbst gerade am Meer, als ich das Gedicht gelesen habe – und musste sofort schmunzeln. Denn die Szene könnte wahrscheinlich jedem passieren: Urlaub an der See, ein gemütlicher Grillabend und eine Möwe, die ganz offensichtlich andere Pläne mit dem letzten Steak hat.


Doch was das Gedicht für uns besonders macht, ist nicht nur die Geschichte. Es ist die Sprache, in der sie erzählt wird.


Erzgebirgische Mundart gehört nicht nur ins Erzgebirge

„Mir fahrn jedes Gahr nauf an de See“ – und schon sind wir mittendrin. Das Schöne an Mundart ist: Sie bleibt nicht zu Hause, nur weil wir das Erzgebirge verlassen. Sie fährt mit uns in den Urlaub, sitzt mit am Frühstückstisch, steht mit am Grill und erzählt von all den kleinen Dingen, die uns passieren.


Genau das zeigt „Dor freche Vugel“.

Hier geht es nicht um Bergbau, Weihnachten oder eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Es geht um einen ganz normalen Familienurlaub an der Ostsee. Und trotzdem ist der Text vom ersten bis zum letzten Vers unverkennbar erzgebirgisch.


Wörter und Wendungen wie „dos is ganz klar“, „Su e Bockwurscht“, „do kimmt enne Möwe agestartet“ oder „kunnten mir uns kaum haltn of de Baa“ geben der Geschichte ihren ganz eigenen Klang.


Wer mit der Mundart aufgewachsen ist, liest solche Zeilen nicht einfach nur. Man hört sie.


Mundart darf lustig sein

Vielleicht denken wir bei erzgebirgischer Mundart manchmal zuerst an alte Lieder, Gedichte und Geschichten über unsere Heimat. Und natürlich gehört all das unbedingt dazu. Aber Mundart kann viel mehr.


Sie kann frech sein. Sie kann von heute erzählen. Sie darf uns zum Lachen bringen. Und sie funktioniert eben auch wunderbar, wenn eine dreiste Möwe im Sturzflug das letzte Steak vom Grill klaut.


Gerade solche Geschichten zeigen, dass Mundart keine Sprache ist, die wir nur bewahren und ausstellen sollten. Sie lebt davon, dass wir sie benutzen.

Beim Erzählen. Beim Schreiben. Beim Singen. Und auch bei den kleinen Geschichten aus unserem Alltag.


„Dor freche Vugel“

Das Gedicht nimmt uns mit an die See: Es geht nach Zinnowitz, an den Strand, ins kalte Wasser und schließlich zum gemütlichen Grillabend. Und dann kommt der Moment, den man sich bildlich vorstellen kann:

„Im Sturzflug gings uf denn haaßn Grill,weil se a wos abhohm will.“

Kurz darauf ist das Steak weg – und die Möwe offensichtlich zufrieden. Besonders schön ist für mich der Schluss. Denn nach dem ganzen Trubel bleibt vor allem ein Bild hängen:

„Dos Schennste aber an demm ganzn Stück,war ne Voter sei daamischer Blick.“

Genau solche Pointen funktionieren in Mundart einfach besonders gut. Vielleicht, weil sie sich weniger geschrieben und viel mehr erzählt anfühlen.


Unsere Mundart lebt durch solche Texte

Bei Liebes. Erzgebirge möchten wir genau solchen Geschichten einen Platz geben. Denn Mundart ist ein Stück unserer Heimat. Sie verändert sich von Ort zu Ort, manchmal sogar von Dorf zu Dorf. Es gibt nicht immer nur die eine richtige Schreibweise oder Aussprache – und genau diese Vielfalt macht sie so spannend.


Umso schöner ist es, wenn Menschen Mundart nicht nur erinnern, sondern weiter benutzen und Neues darin entstehen lassen.


„Dor freche Vugel“ ist dafür ein wunderbares Beispiel: eine kleine, humorvolle Geschichte aus dem Leben – erzählt in einer Sprache, die sofort ein Stück Erzgebirge mitbringt.


Danke an Kristin Liebscht fürs Einsenden und dafür, unsere Mundart auf diese Weise lebendig zu halten.

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