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Weil wir das Licht im Herzen tragen.

Autorenbild: liebes.erzgebirge
liebes.erzgebirge
23. Aug.
4 Min. Lesezeit

Ein Großvater, sein Enkel und die Frage, warum das Erzgebirge im Winter eigentlich anders leuchtet. Dana Siegel erzählt eine Geschichte über Bergbau, Mundart und Traditionen – und darüber, was von Generation zu Generation weitergegeben wird.


Dana Siegel
Dana Siegel

Das feine Klingen der Pyramide, der Duft von Weihrauch, eine warme Stube und auf dem Tisch ein frisch geschnitzter Bergmann aus Lindenholz. Mit genau dieser Stimmung beginnt eine weitere Geschichte, die uns Dana Siegel für „Eine Liebeserklärung ans Erzgebirge“ geschickt hat.


Im Mittelpunkt stehen Opa Karl und sein Enkel Lukas. Lukas möchte von seinem Großvater wissen, wie es früher war – und stellt ihm eine eigentlich ganz einfache Frage:

„Warum leuchten unsere Städte eigentlich anders als die anderen?“


Karls Antwort:

„Weil wir das Licht im Herzen tragen, Junge. Und weil wir es aus der tiefsten Erde geholt haben.“

Und damit beginnt eine kleine Reise durch das Erzgebirge.


Vom Bergbau bis zum „Glück Auf!“

Opa Karl erzählt seinem Enkel von alten Stollen und vom Bergbau, von Annaberg-Buchholz, Freiberg, Schneeberg und Schwarzenberg. Er erklärt ihm, warum der Bergmann bis heute eine so große Bedeutung für die Region hat und was hinter unserem „Glück Auf!“ steckt.


Doch Danas Geschichte bleibt nicht in der Vergangenheit. Sie erzählt auch von Mundart und Bräuchen, vom Neinerlaa, von den Heilig-Ohmd-Metten, vom Klöppeln und natürlich von den Schwibbögen, die im Winter die Fenster erhellen. Vor allem erzählt sie aber davon, wie all diese Dinge von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden.


Was bleibt?

Am Ende hält Lukas den geschnitzten Bergmann seines Großvaters in den Händen.

Und langsam versteht er, dass seine Heimat nicht einfach aus Bergen, Holz und alten Stollen besteht. Sie lebt in den Geschichten. In Liedern. In der Sprache. In Bräuchen. In Erinnerungen. Und in einem „Glück Auf!“, das auch die nächste Generation noch weiterträgt.


Genau deshalb passt Danas Geschichte so gut zu unserem Generationenbuch. Denn vielleicht müssen wir Traditionen nicht nur bewahren. Wir müssen ihre Geschichten erzählen, damit die nächste Generation versteht, warum sie uns etwas bedeuten.


Danke, Dana, für eine weitere ganz persönliche Liebeserklärung ans Erzgebirge. Überzeugt euch selbst:



Das feine Klingen der Pyramide läutete den Abend ein, während der Duft von Weihrauch und gebackenen Sachsentorten durch die Stube zog. Opa Karl saß in seinem hölzernen Schaukelstuhl, blickte aus dem Fenster auf die sanften, tiefgrünen Kuppen des Erzgebirges und strich über seinen weißen Schnauzbart. Vor ihm auf dem Tisch lag ein frisch geschnitzter Bergmann aus Lindenholz – das Symbol einer ganzen Region. Er murmelt "wisplich" schmunzelnd vor sich hin, als sein Enkel Lukas zur Tür hereinkam. Karl nutzte gern das alte Wort für „ungeduldig“, wenn der Junge es kaum erwarten konnte, eine neue Geschichte zu hören. Lukas setzte sich auf die Ofenbank. „Großvater, erzähl mir noch einmal von früher. Warum leuchten unsere Städte eigentlich anders als die anderen?“ Karl schmunzelte.


„Weil wir das Licht im Herzen tragen, Junge. Und weil wir es aus der tiefsten Erde geholt haben.“ Er nahm Lukas mit auf eine gedankliche Reise durch die Montanregion Erzgebirge, die nicht ohne Grund zum UNESCO-Welterbe gehört. Karl erzählte von den engen Gassen in Annaberg-Buchholz, wo die mächtige St. Annenkirche wie ein steinerner Wächter über den Markt wacht. Er berichtete von Freiberg mit seiner reichen Silbergeschichte und von Schneeberg, dessen barocke Pracht direkt auf dem Wohlstand des Bergbaus erbaut wurde. „Siehst du“, erklärte Karl und zeigte nach draußen, wo die Straßenlaternen von Schwarzenberg die alten Häuserzeilen in ein warmes Gold tauchten.


„Unsere Städte sind klein, aber sie haben das Fundament von Riesen. Überall unter uns ziehen sich die alten Stollen. Unsere Vorfahren haben dem Berg unter schwersten Bedingungen Silber, Zinn und Kobalt abgerungen.“ „Und deshalb sagen wir zur Begrüßung immer noch ‚Glück Auf!‘?“, fragte Lukas mit großen Augen. „Genau so ist es“, antwortete der alte Mann stolz. „Das ist kein einfaches Hallo. Es ist der Wunsch, dass sich die Kumpel unter Tage gesund trafen und der Berg sich öffnete, um ihnen seine Schätze zu schenken. Dieser Gruß verbindet uns alle – vom Handwerker bis zum Bürgermeister. “Karl liebte die Traditionen seiner Heimat, doch noch mehr liebte er die Menschen und ihre Sprache.


Die erzgebirgische Mundart war für Fremde oft ein Rätsel, für die Einheimischen aber pure Heimat. „Wenn de unner de Leit gehst“, sagte Karl im tiefen Dialekt, „do spürst de, de Gemütlichkeit. Mir feiern unnern Haamitbezug.“ Er lachte, als Lukas versuchte, die harten, aber herzlich gerollten Laute nachzuahmen. Die „Heilig-Ohmd-Metten“, das gemeinsame „Neinerlaa“-Essen zur Weihnachtszeit und das Klöppeln der Frauen in den gemütlichen Stuben – all das floss wie ein unsichtbares Band durch die Generationen. „Weißt du, Lukas“, fuhr Karl fort und reichte dem Jungen den hölzernen Bergmann. „Der Bergbau mag in den meisten Stollen Geschichte sein. Aber das, was er aus uns gemacht hat – fleißige, bodenständige und gastfreundliche Menschen –, das bleibt.


Wenn im Winter in jedem Fenster ein Schwibbogen brennt und die ganze Region im Lichterglanz erstrahlt, dann zeigen wir der Welt, wer wir sind. “Lukas hielt die Holzfigur fest in den Händen. Er blickte hinaus auf die Silhouette der Berge, über die gerade der Mond aufging. In diesem Moment verstand er, dass das Erzgebirge nicht nur aus Holz, Stein und alten Stollen bestand. Es lebte in den Liedern, den Bräuchen und im herzlichen „Glück Auf!“, das auch er am nächsten Morgen stolz seinen Freunden zurufen würde.



Und jetzt seid ihr gefragt:

Welche Geschichte haben euch eure Großeltern über das Erzgebirge erzählt, die ihr bis heute nicht vergessen habt? Vielleicht ist jetzt genau der richtige Moment für: „Frag mal deine Oma.“


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